Traumainformierte Sozial- und Lernumgebungen gestalten
3-tägiges Intensivseminar mit Dr. Jody McVittie (Seattle)
Wie können wir Kinder und Jugendliche erreichen, deren Verhalten uns herausfordert – und die wir mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr erreichen? Was brauchen wir als Lehrende und Begleitende, um auch in schwierigen Momenten in Verbindung zu bleiben – mit uns selbst und mit unseren Schüler:innen?
In fast jeder Schulklasse gibt es Kinder und Jugendliche, die besonders viel Aufmerksamkeit und Energie beanspruchen – und bei denen die üblichen pädagogischen Strategien nicht greifen. Hinter ihrem Verhalten stehen oft Erfahrungen von Trauma und unsicherer Bindung, die das Gehirn und das Nervensystem tiefgreifend prägen. Regeln und Konsequenzen allein reichen hier nicht aus. Es braucht ein tieferes Verständnis dafür, was in diesen Kindern vorgeht – und konkrete Werkzeuge, um Räume zu schaffen, in denen Lernen, Zugehörigkeit und Verbindung wieder möglich werden.
Dieses Seminar lädt dich ein, genau hier anzusetzen.
Worum es in diesem Seminar geht
Verhalten ist immer Kommunikation. Kinder, die „auffallen“, lösen oft ein Problem, das wir nicht sehen. Wenn wir lernen, hinter das Verhalten zu schauen, verändern sich nicht nur unsere Reaktionen – es verändert sich die gesamte Dynamik im Klassenzimmer.
Gemeinsam erforschen wir:
- Wie das Gehirn auf Trauma und Bindungserfahrungen reagiert – und was das für den Schulalltag bedeutet
- Wie du deine eigenen Selbst- und Ko-Regulierungsfähigkeiten stärken kannst
- Wie du Verhalten als Kommunikation verstehen und auf herausfordernde Situationen neu reagieren kannst
- Wie du eine Lern- und Sozialumgebung gestaltest, in der sich Schüler*innen zugehörig und ermutigt fühlen
- Welche konkreten Werkzeuge im Schulalltag einen unmittelbaren Unterschied machen können
Was dich erwartet
Dieses Seminar ist kein Frontalformat – sondern ein lebendiger Erfahrungsraum, in dem Theorie und Praxis eng miteinander verwoben sind.
- Erfahrungsbasiertes Lernen durch praktische Übungen, Fallarbeit und Reflexion
- Einführung in die Neurobiologie von Trauma und Bindung
- Konkrete Selbstregulations- und Ko-Regulationsübungen für den Unterricht
- Arbeit mit realen Herausforderungen und Fallbeispielen aus dem Schulalltag
- Raum für persönliche Reflexion und kollegialen Austausch
Im Verlauf des Seminars arbeiten wir zunehmend konkret mit realen Situationen, immer getragen von einem sicheren und wertschätzenden Gruppenraum.
Unsere Werkzeuge
Das Seminar verbindet Erkenntnisse aus Neurobiologie, Traumaforschung und bindungsorientierter Pädagogik mit über zwei Jahrzehnten praktischer Erfahrung in der Arbeit mit Schulen. Zentrale Bezugspunkte sind die Arbeit von Alfred Adler, die interpersonale Neurobiologie nach Dan Siegel, die ACE-Studie (Adverse Childhood Experiences) sowie bewährte Ansätze aus der traumainformierten Schulentwicklung, die Jody McVittie über viele Jahre entwickelt und international erprobt hat .
Das Besondere an diesem Ansatz: Es geht nicht darum, etwas „über“ Kinder zu lernen, sondern darum, Dinge anders zu sehen – und wenn man etwas einmal anders gesehen hat, kann man es nicht mehr „ent-sehen“ .
Zielgruppe
Dieses Seminar richtet sich an Lehrer:innen aller Schulformen und Jahrgangsstufen, Schulleitungen und Menschen in pädagogischer Verantwortung, Schulsozialarbeiter:innen, Schulberater:innen und Schulpsycholog:innen, pädagogische Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe sowie alle, die in ihrem beruflichen Umfeld Kinder und Jugendliche begleiten und sich ein tieferes Verständnis für traumainformiertes Arbeiten wünschen.
Sprache
Der Workshop wird auf Englisch stattfinden, aber Jody versteht sehr gut Deutsch. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass die Sprache auch für Kolleg*innen mit weniger fortgeschrittenen Englischkenntnissen kein Hindernis darstellt.
Seminarleitung
Dr. Jody McVittie – Ärztin, Bildungspionierin und Expertin für traumainformierte Schulentwicklung
Jody McVittie ist Mitbegründerin von Sound Discipline (heute BELONG Partners), einer gemeinnützigen Organisation in den USA, die mit Schulen und pädagogischen Fachkräften zusammenarbeitet, um Würde, Respekt und Gerechtigkeit in Bildungsgemeinschaften zu fördern. Nach ihrem Medizinstudium und einer Facharztausbildung in Familienmedizin wandte sie sich den tieferen gesellschaftlichen Fragen zu, die Gesundheit beeinflussen – darunter Elternschaft, Bildung, Trauma und die Auswirkungen von Gewalt innerhalb von Familien. Sie hat über zwei Jahrzehnte lang Dutzende von Schulen in den USA und international beraten und begleitet und ist Mitautorin von Positive Discipline in the School and Classroom.
Heute widmet sie sich der Erforschung der Auswirkungen individueller, kollektiver und generationsübergreifender Traumata auf uns und die Systeme, in denen wir uns bewegen – und den Werkzeugen und Fähigkeiten, die wir brauchen, um reaktive Muster zu erkennen und zu lösen.
Silke Weiß – Bildungsinnovatorin und Expertin für Lernkultur
Begleitet seit über einem Jahrzehnt Menschen und Gruppen in Entwicklungsprozessen.
Termin
Donnerstag, 3. Dezember 2026 bis Sonntag, 6. Dezember 2026
Zeiten:
Donnerstag 17 bis 21 Uhr mit gemeinsamen Picknick
Freitag und Samstag 9.00 bis 13.00 Uhr und 15.00 bis 19.00 Uhr
Sonntag 9.00 bis 12.00 Uhr
Ort
Tagungsort: Lorsch
Die Teilnehmenden kümmern sich selbst um ihre Unterkunft.
Preis
Die Teilnahmegebühr beträgt 150 €.

