Schule verändern ist wie Pilze sammeln

Schule verändern ist wie Pilze sammeln

Im Moment sind viele Pilzsucher unterwegs, inklusive mir. Um sicher zu gehen sammelt man in der Regel nur die Pilze, die man sicher kennt. Durch die Klimaveränderungen verändert sich das Arten Spektrum der Pilze im Wald. Einige Pilze kommen mit der Trockenheit nicht zurecht, neue Pilze wandern vom Süden Europas in unsere Waldgebiet ein. D.h. langfristig muss man sich als Sammler umstellen und andere Sorten sammeln, um immer noch einen Korb voll schmackhafter Pilze für ein leckeres Pilzgericht zu finden. Ich habe ein sehr dickes Pilzbuch, indem sehr viele verschiedene Pilzarten beschrieben sind. Aber wie geht es nun, diese Umstellung auf neue Sorten?

Ich möchte eine Sorte Pilze sammeln, die ich nicht kenne. Ich habe vielleicht im Internet in einem Pilzsammler Forum oder in einem Pilzbuch eine Art gesehen, wo ich glaube die hab ich schon mal im Wald gesehen, oder davon gehört dass ein bestimmter Pilz besonders lecker schmeckt…

Also gut, ich nehme mein Pilzbuch oder meine Pilzapp, und gehe in den Wald. Tatsächlich finde ich diese Pilze. Lege ich sie in mein Körbchen? Man kann es ja mal ausprobieren. Aber soll ich sie wirklich essen? Riechen tun sie ganz gut.

Bevor ich diesen neue Pilzsorte versuche, will ich ganz sicher gehen. Ich möchte mich ja nicht vergiften. Also schaue ich in meiner App und in meinem Buch nach, ich versorge mich mit Wissen. Aufgrund der Größe und Farbe, dem Hut, den Sporen, … kann ich den Pilz ziemlich gut identifizieren. Als Biologin kenne ich mich auch mit den Merkmalen aus, und bin mir schon ziemlich sicher. Aber um ganz sicher zu gehen, und auch meine Familie nicht zu vergiften für die ich ja auch Verantwortung trage, frage ich noch einen Freund, der ein großer Pilzkenner ist. Er bestätigt mir dass ich die richtige Sorte gefunden habe. Dann probiere ich es auch, es kommt die Zubereitung, das Gericht schmeckt gut. Und tatsächlich treten in der Folge wieder Bauchschmerzen noch Krämpfe, noch sonstige Vergiftungserscheinungen auf, eher eine leichte Müdigkeit wegen der leckeren Sahnesauce. Ich habe eine neue positive Erfahrung gemacht, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich sie wiederhole.

Also wie können wir in unsicheren Zeiten Veränderungen angehen, und darin Sicherheit erlangen? Dazu braucht es verschiedene Schritte die gehen ganz genau gleich sind wie beim Pilze sammeln:

1. Meine Neugier wird geweckt, äußere Veränderung legen es nahe, sich zeitig auf Wandel einzustellen: die Motivation wird deutlich, warum es Neues braucht.

2. Ich versorge mich mit Wissen, ich versuche die Lage so gut wie möglich einzuschätzen und mir durch meinen Intellekt eine gewisse Sicherheit zu geben.

3. Ich frage Experten, ich tausche mich mit anderen aus, die vielleicht schon weiter sind oder von denen ich etwas lernen kann.  Durch den Austausch erlange ich mehr Sicherheit

4. Schließlich mache ich eine Erfahrung und wenn die gut war, werde ich es beim nächsten Mal wieder ausprobieren, so lange bis ich darin so sicher und sattelfest bin, das es eine neue Gewohnheit wird.

Genauso verhält es sich im Schulsystem und der Prozess ist ähnlich dem,  was Otto Scharmer in seiner Theorie U beschreibt. Von der Öffnung des Geistes, des Gefühls und des Handelns, bevor man sich auf etwas Neues einlassen kann.

Aber warum brauchen wir eigentlich soviel Sicherheit? Das entspricht bei Spiral Dynamics der Werteebene blau. Dieses Konglomerat an Werten und Weltsichten ist charakterisiert durch Sicherheit, Disziplin, Struktur, Ordnung, Zuverlässigkeit und der genauen Unterscheidung zwischen richtig und falsch. All diese Eigenschaften treffen auf die Grundstrukturen unseres Schul- und Beamtensystems zu, Werte die wir aus Kirche und Militär übernommen haben und die als Eltern unseres Schulsystems immer noch das Fundament und die Basis darstellen. Mittlerweile hat sich Gesellschaft aber weiter entwickelt, Leistungsstreben und Erfolg sowie das Wohlfühlen spielen mittlerweile auch eine große Rolle. Das entspricht den Wertebenen “orange” und “grün” bei Spiral Dynamics. Dennoch wählen Menschen den Beruf des Lehrers, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben. Daher braucht es für Veränderungen im Schulsystem eine bestimmt Vorgehensweise. Das habe ich in de letzten Jahren in der Begleitung von Schulen und Kollegien erfahren und immer weiter verfeinert.

Abgesehen vom Pilze Sammeln:

Eine Kompetenz der Zukunft wird sein, sich in unsicheren Zeiten zu bewegen und lernen, damit umzugehen

Das Schulsystem in Zeiten von VUCA bedeutet Umgang mit Unsicherheit zu lernen. VUCA steht für  Volatility (Unbeständigkeit) Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Complexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) und charakterisiert in Kurzfassung die Struktur unserer Zeit. Zwar stimmt es, dass sich äußere Umstände zu allen Zeiten verändert haben, aber was neu ist, ist die Geschwindigkeit, die unter anderem durch die Digitalisierung und die damit verbundenen disruptiven Veränderungen in großer Zahl und großem Ausmaß verbunden sind. Beispiele disruptiver Veränderungen: vom Telefon zum Smartphone oder von der analogen zur digitalen Kamera – beide Innovationen haben nicht nur  technische, sondern auch Verhaltensänderungen mit sich gebracht, neue Formen der Lebensgestaltung, und das innerhalb weniger Jahre.

Unser Gesundheitswesen, die Mobilität, die Arbeitswelt, das Bildungssystem stehen vor grundlegenden Wandelprozesen, und das gleichzeitig . Eine große Herausforderung, die uns wiederum herausfordert, in äußeren unsicheren Zeiten wieder mehr innere Sicherheit zu erlangen.

Eine Strategie zum Überleben in der VUCA-Welt leitet sich ebenfalls von der Abkürzung ab, nämlich: Vision (Vision)Understanding (Verstehen)Clarity (Klarheit) und Agility (Agilität).

Darum ist es umso wichtiger zu wissen, für welche Ziele man sich auf den Weg macht, und auch, was der eigene Weg ist.

In diesem Sinne: frohes Pilze sammeln!

Für weitere Informationen und Begleitung: Besuche unseren Online Kurs Pioneers of Education, und die kostenlosen Webinare im Vorfeld, und lerne mehr über die Hintergründe und wie man geschickt durch den Wandel navigiert

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Literatur:

Otto Scharmer, Theorie U – von der Zukunft her führen

Beck/Cowan: Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel – eine Landkarte für Business und Gesellschaft im 21. Jahrhundert

Bild: Bert Herden, Berlin


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